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Der Ortsverband der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) beteiligt sich am Programm der bürgerschaftlichen Aktion "Faires Schramberg" mit einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zur Familienpolitik. Verena Föttinger aus Fluorn-Winzeln, die ehemalige Landesvorsitzende der ödp, spricht am Dienstag, den 8. Oktober 2002 um 20 Uhr in der Pausenhalle der Grund, Haupt- und Werkrealschule (GHWRS) in Schramberg- Sulgen zum Thema "Fairstehen - Gerechtigkeit für Familien".
Viele Erwachsene ab 40, wenn man im Schwabenland eigentlich gescheit wird, meinen, Familienpolitik gehe sie nichts mehr an. In der Großelterngeneration ist dieser Gedanke noch stärker verbreitet. Man hat seine Pflicht getan, denken Mann und Frau. Wer im Jahr 2002 vierzig Jahre alt ist, möchte 2042 immer noch seine wohlverdiente Rente oder Pension genießen. Das ist fast zwei Generationen später. Aber wer erarbeitet sie, wer bezahlt sie? Die im Oktober 2002 einbezahlten Rentenbeiträge sind im Dezember 2002 bereits ausbezahlt an die jetzigen Rentnerinnen und Rentner.
Dazu hat die Bundesrepublik in der EU die niedrigste Geburtenrate, was kein Wunder, denn im Vergleich zu kinderlosen Menschen stehen Familien trotz mancher Steuervorteile immer mehr im wirtschaftlichen Abseits. Sie verarmen. Jedes siebte Kind ist Sozialhilfeempfänger. Das soziale Ansehen von erziehenden Eltern ist äußerst gering. Was zählt, ist das erwerbstätige Einkommen außerhalb des Hauses mit einem Bruttolohn und den Lohnnebenkosten für Rente, Krankenkasse, Pflege im Alter und gegen Arbeitslosigkeit. Erziehende Eltern ohne Berufstätigkeit außerhalb des Hauses arbeiten für Staat und Gesellschaft umsonst und schädigen sich im Vergleich zu den Kinderlosen wirtschaftlich doppelt. Sie haben Kinder und mehr Ausgaben, verdienen nichts und beziehen später eine minimalisierte Rente pro erzogenem Kind. Diese Rente liegt mit Sicherheit unter dem Niveau des Taschengeldes ihrer jetzigen Kinder.
Um unsere Sozialsysteme langfristig zu sichern, tritt die ödp als einzige Partei für ein Bruttogehalt für erziehende Eltern ein. Familienarbeit ist absolut notwendig und der erwerbsmäßigen außerhäuslichen Arbeit gleichgestellt werden. Eltern können sich danach frei entscheiden, ob sie selbst erziehen wollen oder sich die Erziehung über Krippe, Kindergarten oder andere verstärkt einkaufen wollen. Gleichzeitig erhöhen sie mit dem Erziehungsgehalt ihr Einkommen und vermeiden Sozialamt und die jetzige strukturell-bedingte Verarmung,. Alle Parteien im Bundestag wollen Eltern aus dem Haus in die Erwerbsarbeit lotsen. Sie lösen damit die letzten Chancen von Familienbindung auf und zwingen Erziehende in Doppelten Arbeitsstress.
Ein Brutto-Erziehungsgehalt ist finanziell und politisch machbar. Bewiesen hat das bereits 1998 der "Deutsche Arbeitskreis für Familienhilfe e.V. - Freiburg" mit seiner Studie "Erziehungsgehalt 2000 - Ein Weg zur Aufwertung der Erziehungsarbeit". Der Arbeitskreis arbeitet mit dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg, der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung (GAB) und dem Institut für Sozialökologie (ISÖ) zusammen und ließ die finanziell-wirtschaftlichen Grundlagen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin durchrechnen.
Verena Föttinger führt in diese komplexen Zusammenhänge von Kindergeburtenrate, Kindererziehung und Rentensystem ein und diskutiert gern alle aufgeworfenen Fragen.